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"Nein zur Quote - Für echte Frauenförderung"

Beschluss des Landesausschuss
Nein zur Quote-
Für echte Frauenförderung
Herausgeber: Junge Union Bayern - Landessekretariat
Franz Josef Strauß-Haus, Nymphenburger Straße 64, 80335 München
Tel.: 0 89/12 43-2 42, -2 44, Fax: 0 89/1 29 85 31
E-Mail: ju@ju-bayern.de
Nein zur Quote - Für echte Frauenförderung
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Die CSU, als moderne Volkspartei, erhebt den Anspruch, möglichst vielen 1 Gruppen in unserer
2 Gesellschaft eine politische Heimat zu bieten. So ist es erklärtes Ziel, Frauen für die Politik der CSU
3 begeistern zu wollen, die CSU weiblicher zu machen und Frauen verstärkt für die Parteiarbeit zu
4 gewinnen.
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6 Der gemeinsame Weg der CSU und ihrer Arbeitsgemeinschaften hat in den letzten Jahren Erfolge
7 gezeigt. Dennoch ist das Ziel noch lange nicht erreicht. Gerade in den unteren Ebenen der Partei
8 besteht diesbezüglich dringender Nachholbedarf. Auch hat die CSU weiterhin große Probleme,
9 was die Akzeptanz bei den weiblichen Wählern, besonders den jüngeren Frauen, betrifft. Im
10 Rahmen des Prozesses „Leitbild 2010 plus“ wollen wir gemeinsam daran arbeiten.
11 Die von der Frauen Union auf ihrer Landesversammlung beschlossenen Forderung nach der
12 Einführung einer Frauenquote in der CSU lehnt die Junge Union ab. Diese Bestrebungen sind nicht
13 im Sinne einer modernen partnerschaftlichen Parteiarbeit. Durch eine festgeschrieben Quote wird
14 unsern Frauen der falsche Anreiz gegeben sich politisch zu engagieren. Es vermittelt die negative
15 Botschaft, allein durch das Geschlecht könne politisches Engagement ersetzt werden. Darüber
16 hinaus wirkt die Quote negativ auf die Motivation. Wird ein politisches Amt oder Mandat allein
17 aufgrund einer festgesetzten Prozentmarke in Aussicht gestellt, so wirkt dies sowohl für Frauen
18 als auch für Männer in der Partei gegen das Prinzip „Leistung muss sich lohnen“. Wertschätzung
19 darf nicht aufgrund des Geschlechts, sondern aufgrund Wissen, Engagement und Leistung
20 erfolgen. Jeder andere Bewertungsmaßstab ist ein falsches Signal und eine Herabwürdigung des
21 Könnens von Mädchen und jungen Frauen!
22 Innerparteilich wird eine Quote den engagierten Frauen nicht gerecht. Der Anspruch von Frauen in
23 der CSU war und ist, gerade eben keine „Quotenfrauen“ zu sein. Eine Quote mag dazu führen, dass
24 zwangsweise Frauen in den verschiedensten Ebenen der Partei sitzen, entscheidend sind aber der
25 parteiinterne Wettstreit im Vorfeld der Vergabe von kommunalen Ämtern und bei
26 Listenaufstellungen für die Bezirks-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen.
27 Quotenregelungen können dazu führen, dass Ämter und Positionen mit Personen besetzt werden,
28 die lediglich den Anforderungen der Quote genügen, ohne dass diese Personen die fachliche oder
29 persönliche Qualifikation für die jeweilige Aufgabe besitzen. Klarer Grundsatz ist und bleibt für die
30 Junge Union: Qualität muss Vorrang vor Quantität haben! Darüber hinaus widersprechen
31 Quotenregelungen dem demokratischen Element bei der Wahl von Vorständen und Besetzung
32 von Positionen, das durch die Satzung der Jungen Union und der CSU gewährleistet werden soll.
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34 Einigkeit zwischen Frauen-Union und Junge Union besteht in der Forderung nach gezielter
35 Förderung begabter, engagierter und kompetenter Frauen. Insbesondere im Bereich der zu
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vergebenden Direkt- und Listenmandate für Bezirks-, Landtags-, Bundestags- 36 und Europawahlen
37 besteht dringende Handlungsnotwendigkeit.
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39 Im „Leitbild2010plus“-Prozess sollen daher Alternativen zur Quote erarbeitet werden, um mehr
40 Frauen für die CSU zu gewinnen. Deshalb regt die Junge Union an, die Frauenförderung in der CSU
41 durch verschiedene Maßnahmen auszubauen, denn es sind noch lange nicht alle Möglichkeiten
42 ausgeschöpft:
43  Bewusstsein und Eigenverantwortung schärfen! Um Frauen für die CSU zu begeistern,
44 müssen CSU-Mitglieder gezielt und offen auf Frauen zugehen und sie zur Mitarbeit
45 motivieren. Dieses Bewusstsein muss in den Köpfen der CSU-Mitglieder neu geschaffen
46 werden. Es soll ein ständiger Arbeitskreis eingesetzt werden, dessen Aufgabe die
47 Gewinnung weiblichen Nachwuchses ist. Die Mitglieder des AK werden zu gleichen Teilen
48 aus JU und FU entsandt. Er ist direkt dem CSU Landesvorstand unterstellt, an den er auch
49 in regelmäßigen Abständen zu berichten hat. Einziges Ziel des AK ist die Gewinnung und
50 Förderung von mehr jungen Frauen für die CSU. Dem AK sollen Geldmittel zur Verfügung
51 gestellt werden mit denen der AK Werbemaßnahmen und Werbemittel bezahlen kann und
52 wodurch bayernweite Aktionen durchgeführt werden können. Hier sollen Ideen für
53 Aktionen entwickelt werden, die in den Verbänden zur Gewinnung von Frauen
54 durchgeführt werden können. Dazu sollen Leitfäden für die Verbände erstellt werden.
55 Darüber hinaus soll der AK die Fortschritte der Frauengewinnung überwachen und
56 jährliche, ausführliche Berichte dazu erstellen und veröffentlichen.
57  Schulungen für CSU Orts- und Kreisvorsitzende: In allen CSU-Bezirksverbänden soll es für
58 die Orts- und Kreisvorsitzenden Seminare zur Sitzungsleitung, Veranstaltungsmanagement
59 und die Ansprache verschiedener Zielgruppen geben.
60  Schulungen/Mentoring für Frauen: Viele Frauen halten sich in Diskussionen zurück und
61 überlassen die Wortführung den Männern. Deshalb müssen Frauen künftig besser geschult
62 und vorbereitet werden. Hier sollen auch Schulungen und Seminare angeboten werden,
63 die Kompetenzen in Gesprächsführung, Rhetorik, Durchsetzungsvermögen,
64 Selbstbewusstsein uvm. vermitteln. Dies könnte z. B. von der FU im Rahmen des
65 Mentoring-Programms oder von der JU in speziellen Seminaren angeboten werden. Das
66 bereits durchgeführte und sehr erfolgreiche Mentoring-Programm der Frauen-Union sollte
67 unbedingt fortgeführt werden. Hier findet eine intensive Heranführung an politische
68 Ämter und politisches Arbeiten statt. Grundlagen der Partei- und Politikarbeit werden
69 somit schrittweise und begleitend gelegt. Das Programm sollte aber noch ausgeweitet
70 werden. Im Moment wird nur in wenigen CSU-Bezirksverbänden ein professionelles
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Mentoring-Programm angeboten. Diees sollte überall auch auf Kreisebene 71 angeboten
72 werden, als Mentorinnen kann man auch Kreis- oder Gemeinderätinnen und
73 Bürgermeisterinnen nehmen.
74  In allen CSU-Verbänden und den Arbeitsgemeinschaften soll jährlich das Thema
75 Gewinnung von Nachwuchs / Frauen thematisiert (aktuelle Situation, welche Aktionen
76 wurden durchgeführt, was hat sich verbessert / verschlechtert, etc.) und an die nächst
77 höhere Parteiebene berichtet werden.
78  Öffentlichkeitsarbeit: Die Gewinnung von Frauen muss als CSU-Thema wahrgenommen
79 werden. Es muss klarer werden, dass es uns als Gesamtpartei ein Anliegen ist, mehr
80 Frauen für uns zu begeistern und zu gewinnen.
81  In jedem Vorstand muss der vorhandene Frauenanteil des Verbandes abgebildet sein.
82  Bei Vorständen mit einem Frauenanteil von weniger als 30 Prozent, sollen bestimmte
83 Aktionen und Programme durchgeführt werden. Über die Durchführung soll im jährlichen
84 Bericht hingewiesen werden.
85  Bessere Einbindung und (Wieder-)Einstiegsmöglichkeiten für Frauen schaffen: Den Frauen
86 in der CSU sollte deutlich gezeigt werden, dass sie in der Partei willkommen sind und dass
87 sie auch Möglichkeiten des Aufstiegs beziehungsweise Chancen ein politisches Mandat zu
88 erreichen haben. Frauen sollten an politische Ämter besser herangeführt werden.
89 Insbesondere wäre es denkbar eine Art „Schnupperkooptation“ in den Orts- und
90 Kreisverbänden anzubieten. Dadurch bekommen die Frauen einen besseren Eindruck von
91 dem was sie nach einer möglichen Kandidatur für ein Amt erwarten würde. Die
92 anfängliche Ablehnung einer Kandidatur wurde so gemildert und Interesse für intensivere
93 politische Arbeit geweckt werden. Gerade Frauen im Alter zwischen Mitte 30 und Mitte 40
94 ziehen sich aus familiären Gründen aus der Parteiarbeit zurück. Es muss gewährleistet
95 bleiben, dass diese Frauen auch nach einer bestimmten Zeit der Kindererziehung wieder in
96 der Partei willkommen sind. Dazu ist es notwendig, dass sie aktiv angesprochen werden
97 wieder politisch aktiv zu werden und wieder Ämter übernehmen, die sie einige Jahre zuvor
98 abgegeben haben. Jede Frau muss das Gefühl vermittelt bekommen: „Wer sich einmal aus
99 politischen Ämtern und Mandaten verabschiedet hat, hat auch die Chance wieder
100 einzusteigen“.
101  Eine frauen- und familienfreundlichere Umgebung gewährleisten: Bei Veranstaltungen der
102 CSU und ihrer Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise soll künftig verpflichtend
103 Kinderbetreuung angeboten werden. Keine junge Mutter oder Großmutter soll durch ihre
104 Kinder oder ihre Enkel die Möglichkeit verwehrt werden an Sitzungen und
105 Veranstaltungen teilzunehmen.
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 Neue Veranstaltungsformen: Kreis- und Ortsvorstandssitzungen 106 finden oft in
107 Hinterzimmern mit Stammtischatmosphäre statt. Diese spricht Frauen nicht immer an,
108 was für das Interesse an einem politischen Amt nicht förderlich ist. Aus diesem Grund
109 sollte darauf geachtet werden, Sitzungen und Veranstaltungen offener und attraktiver für
110 Frauen zu gestalten. Auch die Zeiten an denen Sitzungen stattfinden, müssen
111 gegebenenfalls auf die Bedürfnisse von berufstätigen Frauen, Müttern und
112 Alleinerziehenden angepasst werden.
113  Selbstbewusstsein stärken und Unterstützung anbieten: Nicht nur Männer müssen lernen,
114 wie man frauenfreundliche (Partei-)Politik macht. Es sollte nicht unterschieden werden,
115 wer sich genau wo engagiert. Jede motivierte, qualifizierte Frau ist ein Gewinn für unsere
116 Partei! Innerhalb der CSU sollte die Vernetzung von Frauen stattfinden. Hier müssen
117 Möglichkeiten gefunden werden, die keine Frau ausschließen. Eine Plattform im Internet
118 wäre hier z. B. eine erste geeignete Lösung.
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120 Beschlossen durch den JU-Landesausschuss in Neumarkt/Oberpfalz am 13.03.2010

 

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